LIED IV
Eis und Schnee.
Schwarzes Kleid.
Fluss und See.
Zum Tode bereit!
Komm Wind!
Schmerzen scheut:
Fröhliches Kind.
Zum Leben erneut!
Robert Wolfgang Schnell
Polyphem
1917
DREI Jahre schon leben wir
In deiner Höhle,
Höhle des Dunkels, des Grauens und böser Erwartung,
Polyphem,
Du ewig hungriger, menschenfressender Riese,
Dessen Auge
Starr, stählern und wimpernlos
Die selige Träne nicht kennt.
Tag für Tag
Greift deine harte haarige Hand
In unsere Reihen,
Fühlt, betastet und wägt unsre schauernden Glieder,
Reißt
Freunde von Freunden,
Bruder von Brüdern,
Schlägt
Schädel und Hirne, gefüllt mit Liebe und warmen Gedanken,
Körper und Stirnen, durchglüht von Samen und Süße des Lebens,
Gegen die Felsen des Schicksals,
Und gierig schlürft
Dein breites, wulstiges tierisches Maul
Das heilige Fleisch
Göttlicher Menschen.
Wie Tiere gedrängt
Schauernd im Dunkel
Der blutigen Höhle
Sitzen wir nachts und fragen uns an mit sklavischen Augen:
Wann du? Wann ich? Wann der letzte
Göttlicher Menschen
In den Wanst,
Den ewig sich weitenden,
Dieses aufgeblähten sinnlosen Tiers?
Unsere Wangen
Sind mürb
Von vergossenen Tränen,
Unsere Augen
Verdunkelt vom täglichen Anblick der Schmach,
Ein eiserner Ring
Erdrückt unsere Kehle,
Die einstens lobsang die Schönheit der Welt.
Wir können nicht reden,
Wir können nur stöhnen.
Wie die Vögel im Sturm
Gesträubten Gefieders
Niedergeduckt
Wärmen wir uns
Einer am andern,
Aber wir ballen die Fäuste,
Daß das Blut uns rot aus den Nägeln springt.
Er aber,
Trunken von Blut,
Frech von der Mast
Heiliger Menschen,
Räkelt sich breit
Auf der ewigen Erde,
Von Morgen bis Mittag
Liegt er hingestreckt,
Zermalmend die Äcker,
Zerberstend die Wälder,
Zerdrückend die Städte,
Der Menschenschlinger,
Und lacht
Mit dem kalten Auge, dem tränenlosen,
In die Himmel,
Wo die Götter, die schläfrigen, schlafen und schlafen.
Aber hüte dich, Polyphem!
Es brennen heimlich
Die Feuer der Rache
In unseren Seelen.
Der Atem der Toten facht sie zur Glut.
Schon schmieden
Wir nächtlich den Pfahl,
Den Pfahl für dein Auge,
Das harte, das kalte, das tränenlose!
Hüte dich, hüte dich, Polyphem,
Schon schärfen wir
Die Spitze im Feuer!
Friß nur, saufe, mäste dich an,
Polyphem,
Doch wenn du dann träumst vom ewigen Fraße,
Stoßen wir dir die Nacht in die Stirn,
Und aus der Höhle des Bluts und des Grauens
Schreiten
Wir, Brüder der Völker, Brüder der Zeiten,
Über deine stinkende Leiche
In die ewigen Himmel der Welt.
Stefan Zweig

Black dog
Ik die geen leerlingen heb
en geen bediendes,
ik die mijn kaas alleen eet
en de verkeerde mensen
in de verkeerde steden zie
ik ruik bloemen op het ijs,
en zie de dood op een schommel.
Ik die ook wel weet
dat een woord maar een vertaling is,
een armzalige code
van iemand voor niemand,
ik die zelf woorden
gekocht en geërfd heb
uit het groot bordeel
waar de wereld op uitmondt.
Ik die geleerd heb
dat de toekomst een motor is
die nog nooit heeft gelopen
dat alle talen hetzelfde
verzwijgen
en dat veel unieke dromen
op film te zien zijn.
Ik
en ook dat niet lang meer.
Cees Nooteboom
Die Augen der Toten
Hier seh ich noch
das Schlachtfeld bei Reims, zerwühlt bis auf den Kalk.
Der zerstörte Panzer sondert Rost ab,
das Eisen blutet.
Aus der Ferne, von der Luft hergetragen,
starren mich die verdrehten Augäpfel der Erde an.
Es ist so still,
als schriebe ich mit der ersten, zarten Grasfeder.
Jene tote Weite
schloß die Augen.
Nur die Ferne starrt
durchdringend.
Und hier auf dem Feld hat man
einen frischen Hügel aufgeschüttet.
Über ihm erhob der Raum, von der Schlacht unversehrt,
in Verzweiflung
aus der unverschlossenen Erde
seinen einzigen weißen Arm: Die Birke.
Julian Przyboś
Vertaling Henryk Bereska
Het bewaren van een mens
het begon toen je stierf
de pauw was je mond
nog niet ontvlucht
of ik balsemde je lichaam
zette het te kijk achter glas
dat ik elke ochtend schoonwreef
met mijn haren schild en
een verloren veer uit je staart
het bezitten van een man
was toen nog mogelijk
daarna viel je langzaam
in stukken alsof je twijfelde
over dit noodzakelijk verval
uit je botten bouwde ik
twee nieuwe lichamen
profeten van een oud geloof
een tweeling die bestond
uit goed en kwaad
jullie gingen terug achter glas
soms beeld ik me in
dat één van jullie naar me lacht
wanneer de bezoekers de zaal verlaten
ze lopen achterwaarts
alsof ze afscheid nemen
van oude koningen
Elise Vos (1984)
uit: Van alles de laatste (Uitgeverij P, 2025)
Elegie für einen toten Soldaten
I
Ein weißes Tuch am Heck des LKW
Wird zum Altar; zwei kleine Leuchter stehen
Und sprühen beiderseits dem Kruzifix,
Umlegt von Blumen heller als das Blut,
Apokalyptisch rot ist dieses Rot.
Hibiscus, wie man auf dem Marsch ihn pflückt,
Um ihn an Knarre oder Helm zu stecken,
Und große blaue Winden gleichwie Lippen,
Die nie mehr schmecken, küssen, fluchen werden.
Der Wind beginnt sanft das Magnificat,
Der Pfarrer schwatzt, die Palmen schütteln sich,
Im Schlamm vereint sich der Kolonnen Marsch.
II
Auch wir sind Asche, indem unser Ohr
Den Psalm aufnimmt, den Schmerz, das schlichte Lob
Von einem, der sich schönere Tage hoffte,
Genau wie wir, und der nun ganz kaputt ist.
Die Taten seiner Jugend sind gelöscht,
Sein Traum, im Schuß zerstoben, schwindet nun.
Nur Staunen fühlen wir vor dem Verlust,
Der auf nichts weist als auf den Zweifel hin
Und Zuversicht im Graben landen läßt.
Der du bei diesem Graben Paulus liest:
Sollen wir den Augen glauben oder schöner Mär
Von Glanz und Auferstehung nach dem Nichts?
Denn der Kamrad ist tot, er fiel im Krieg,
Einer von vielen, die noch leben sollten,
Einer, von allem abgeschnitten, was der Krieg
III
Auch schenkt: von Selbstbefreiung, friedlich freiem Wandern.
Wer trauert hier in dieser kühlen Menge,
Wer hat den Schlag nicht schon gefühlt, bevor
Die Kugel traf? Dies wackre Fleisch,
Dies Kind in einem Sarge ausgelegt –
Wer hat sich nicht schon in dies Tuch gehüllt,
Der Erde Fall gehört, noch frisch die Wunden,
Die Augen zugefühlt, und dann den Knall
Der letzten Menschheitssalve fern gehört?
IV
Zufällig sah ich, wie er starb, am Boden,
Den Arm gehoben, um Konservenblut
Von einem andern einzuführen. Ich stand
Bei seinem letzten Phantasieren, das
Für einen Augenblick noch Einsicht hält,
Und dann Erwürgen, dann der letzte Ton.
Der Schluß kam plötzlich, wie ein dummes Stück,
Absurd die Katastrophe, halb begründet,
Und das Entscheidende unausgesagt.
So gingen wir, grimmig und ungewandelt,
Und übel war uns von dem stummen Tadel.
V
Statistiken von Toten nützen nichts,
Denn nichts Politisches vermindert
Hier diesen Toten oder all die andern,
Vermißte und Genesene, Verschlagne,
Gezählt sind Hunderttausend, fast Millionen.
Mehr als ein Zufall, weniger als gewollt
Ist jeder Fall, und dieser wie der Rest.
Wie auch die andern sich den Preis errechnen,
Die Abschlußsumme ist für uns nur eine,
Mit einem Namen, himmelwärts versetzt;
Wenn auch ein andrer seine Waffe aufnimmt,
Wir können einfach beide nicht addieren.
VI
Ich spräche nicht für den, der schweigen muß,
Wär meine Angst nicht wahr: man tat ihm Recht,
Er kannte die Entscheidung, die ihm eigen,
Doch ließ sie selber wählen, an Instinkt
Gereift, nicht Opfer war er und nicht freien Willens,
So folgte er, und seine Führer konnten
Nichts jenseits der Geführten suchen. Vieles
Davon hat er gewußt. Die Reise war
Ein Umweg, der zum Lincoln Highway führte
Von einem Land, das hemmungslos gepflegt,
Erregt und neu war – eben was er wünschte.
Er wollte ja verdienen, weiterkommen.
Er und die Welt hatten sich zugenickt …
VII
Geschichte trog ihn nicht, denn wenig wußt er
Von Zeiten und von Heeren, die nicht sein;
Er ahnte nicht, daß Frieden nur geliehn ist,
Und stellte niemals den Gewinn in Frage.
Jenseits der Überschriften sah er manchmal,
Wie sich die Macht bei wenigen versammelt,
Doch ohne sie zu kennen. Seine Stimme
Gab er mißtrauisch ab, er traute nur dem Recht.
Den Sozialismus fand er komisch; on mourrait
pour les industriels? Er gab sein Hemd,
Nicht brüderlich, doch für die Löhnung hin.
VIII
Das Salbungsvolle ekelt’ ihn am meisten,
Schlagworte und Reklame. Nicht dem Parlament
Zuliebe zahlt’ er seine Rechnung
Bei Bunker Hill. Nur wenig Ideale
Kannt’ er, und keine bloß zum schwatzen.
Obwohl ein Glied der Kirche, sprach er nie
Von Gott. Die Taufe hielt er ein, den Christbaum,
Das Osterei, und ließ den Pfarrer auf der Kanzel gelten,
Und kannte kein «gesetzt daß» oder «sintemal».
Weichheit hatt’ er und Stunden und auch Nächte
Zum Denken, Anziehn, Tanzen nach dem Jazz.
Echt war sein Lachen, home made sein Verhalten.
IX
Am wenigsten von allen Menschen war er arm;
Der Armen, Abgerißnen schämt’ er sich,
Mißachtet Bettler wie den bösen Zweifel,
Und sah die Arbeitslosen an als vage Masse
Zu Hunger oder Aufstand gleich unfähig.
Die andern Rassen – südlich, östlich – haßt’ er,
Verdrängte sie zum Rande seines Denkens.
Ans Faustrecht konnte er sich wohl erinnern,
An Bandenkrieg sich wie an Spiel erfreun.
Fern irgendwo verblieben seine Ahnen,
Vererbten nichts ihm als den Eigennamen.
Bei offnen Türen kannt’ er keine Klassen.
X
WeIch Erbe hätten seine Kinder einst gehabt,
Recht oder unrecht, allen Glanz der Welt,
Des Wissens und der Künste volles Maß
Im Füllhorn, und aus diesem ausgeschüttet,
Ein Volk in Honig badend, hier Paris,
Und Wien mit höchstem Lohne herversetzt,
Die ganze Welt in Phoenix, Jacksonville
Zu haben. Kapitol der Welt, ein neu
Byzanz. Des Menschen Reich – wer weiß? Ob hohl,
Ob fest, kein Mensch kann prophezein eh’ nicht
Aus unserm Tod ein unentdeckter Keimd
Von DuIdsamkeit und Frieden rein entspringt.
XI
Die kurze Trauerzeit ziemt dem Soldaten recht,
Wir tun die Fahne fort und falten sie,
Entblösst der Sarg mit dem geschriebnen Schild,
Machieren ab. Dahinter warten vier,
Den Sarg zu heben, schwerste aller Lasten.
Der dumpfe Nachmittag betäubt, bedrängt
Die Sinne uns und unterdrückt Gespräch.
Wir wissen dass auf andren Tageswegen
Noch andre fallen werden, ich, der Nebenmann,
Bedroht sind alle, die die Welt begehn:
Und könnten wir das Grab des Toten schmücken,
So schrieben wir zu Nam’ und Datum dies:
Epitaph
Hier unter diesem Holzkreuz liegt ein Christ,
Er fiel im Kampf. Du, der du dieses liest,
Bedenke wohl, der Fremdling starb voll Pein;
Und gehst du fort, und ist der Glaube dein,
Der Menschen Glaube an den Frieden,
So wisse: diesem Tod war Sinn beschieden.
Karl Shapiro
Vertaling Herta Elisabeth und Walther Killy
Dromen
De maan is het vaandel van de vernietiging
vannacht. Ik word door geesten bezeten.
De ene dode die ik niet gekend heb
kust mijn hand. Zijn mond is van schillen.
Hij boort zijn vreselijke vingers
in mijn ogen.
Vuur, water, tekens, het dorre gras in brand,
water geworpen over de nog levende vissen, tekens
gevraagd aan de hemel. Goden met uw gouden nagels,
krab mijn ogen uit!
Ik word door geesten bezeten.
Lichtzinnig, bespat met dorens en het grove haar
van wild dans ik door de brandende weide,
en spreek mijn genezing tegen.
Ik kan mijn schuld niet meer zien.
De doden zingen metten in hun graven.
De doden die ik gekend heb strelen mijn haar.
Ik word door geesten bezeten.
Cees Nooteboom
Ihr, die ihr überlebtet in gestorbenen Städten,
Habt doch nun endlich mit euch selbst Erbarmen!
Zieht nun in neue Kriege nicht, ihr Armen,
Als ob die alten nicht gelanget hätten:
Ich bitt euch, habet mit euch selbst Erbarmen!
Ihr Männer, greift zur Kelle, nicht zum Messer!
Ihr säßet unter Dächern schließlich jetzt,
Hättet ihr auf das Messer nicht gesetzt,
Und unter Dächern sitzt es sich doch besser.
Ich bitt euch, greift zur Kelle, nicht zum Messer!
Ihr Kinder, daß sie euch mit Krieg verschonen,
Müßt ihr um Einsicht eure Eltern bitten.
Sagt laut, ihr wollt nicht in Ruinen wohnen
Und nicht das leiden, was sie selber litten:
Ihr Kinder, daß sie euch mit Krieg verschonen!
Ihr Mütter, da es euch anheimgegeben,
Den Krieg zu dulden oder nicht zu dulden,
Ich bitt euch, lasset eure Kinder leben!
Daß sie euch die Geburt und nicht den Tod dann schulden;
Ihr Mütter, lasset eure Kinder leben!
Bertolt Brecht
Golden Fiction
Kijk! De vuren gaan open!
De heidenen vechten om een handvol as.
Morgen vertrek ik weer met mijn schip.
Zij zijn begraven, de helden.
Onder de bomen bloeit hun lichaam verder.
Hun ziel is veel bladeren,
en waait.
Ik hang mijn gezicht in de wind,
en verwonder mij. Waarom ben ik zo treurig
als ik niets méér verwacht dan het kijken naar vuren
en het vertrek van een schip?
De bedrieger zit in zijn kamer en schrijft het op.
Uit welke levens schrijft hij? Uit welke tijd?
Zal ooit het werkelijke leven bij hem komen,
hem meenemen?
Nee, het werkelijke leven zal hem nooit meenemen.
De bedrieger zit in zijn kamer en schrijft
wat de stemmen hem zeggen.
Cees Nooteboom

Beziers
Es läßt die Sanduhr Korn an Korn verrinnen,
Und fällt das letzte, ist die Stund von hinnen;
Also mit jedem Augenblicke fällt
Ein Toter in Beziers zum blutgen Grunde;
Ein Dämon hat die Leichenuhr bestellt,
Daran zu messen eine Menschenstunde.
Das wilde Kreuzesheer ist eingedrungen,
Und alles Leben wird hinabgerungen.
Simon voran, der harte Todesdegen,
Und fallen muß, wer sich ihm wagt entgegen.
Nicht rühmt das Lied den Tapfern nach Gebühren,
Weil es vom Wirbel bis zur Ferse nieder
Ihn haßt und jedes Zücken seiner Glieder
Und Schild und Speer und alles, was sie führen.
Abt Arnald ruft ins Fechten, wo es stockt:
«Haut ein! Der Ablaß und die Beute lockt!»
Den Priester reitet Simon an, zu fragen:
«Herr, sollen wir auch Katholiken schlagen?
Der Unsern viele sind in diesen Mauern,
Ist hier gestattet Mitleid und Bedauern?»
Der Abt entgegnet: «Dessen ist nicht not,
Schlagt Ketzer, Katholiken, alle tot!
Wenn sie gemengt auch durcheinanderliegen,
Gott weiß die Seinen schon herauszukriegen.»
Wenn still und lautlos ginge dies Zerstören,
Man müßte aus den Wunden hier das Blut
Gleich einem Bach im Walde rauschen hören,
Doch wie ein Meer im Sturme schreit die Wut;
Es brennt die Stadt, die Flamme hilft den Waffen;
Wenn Tiger nach Beziers herzögen lüstern,
Den Rauch des Blutes in den heißen Nüstern,
Sie würden müßig hier, bewundernd gaffen.
Dort flüchten Tausende zur Kathedrale,
Nachjauchzt der Mord mit hochgeschwungnem Stahle;
In allen Gassen, Häusern und Gemächern,
In jedem Sparrenwinkel unter Dächern,
In jedem tiefen dunklen Kellerbogen
Wird nachgesucht und wilden Mords gepflogen.
Vom Giebel wird ein Ketzer dort geschleift,
Wie sonst ins Taubennest der Marder greift;
Hier pocht der Scherge an des Fasses Dauben,
Und tönt es dumpf, so wird es aufgebrochen,
ob nicht ein Ketzer sich hineinverkrochen,
Sein Blut gilt werter als das Blut der Trauben.
«Komm, heilger Geist!» die Priester alle singen.
Kein Greuel kann wie der das Herz empören;
Der Opfer viele in die Flammen springen,
Um nur die Mörder singen nicht zu hören.
Doch Tausende sind jener auch gefallen,
Für welche süß der Lobsang würde schallen.
Die Stund ist aus, nichts gibt es mehr zu morden,
Noch brennt die Stadt, und weiter ziehn die Horden.
Nikolaus Lenau
Ich hab erdacht im Sinn mir einen Orden
Ich hab erdacht im Sinn mir einen Orden,
Den nicht Geburt und nicht das Schwert verleiht,
Und Friedensritter soll die Schar mir heißen.
Die wähl ich aus den Besten aller Länder,
Aus Männern, die nicht dienstbar ihrem Selbst,
Nein, ihrer Brüder Not und bitterm Leiden;
Auf daß sie, weithin durch die Welt zerstreut,
Entgegentreten fernher jedem Zwist,
Den Ländergier und, was sie nennen: Ehre
Durch alle Staaten sät der Christenheit,
Ein heimliches Gericht des offnen Rechts.
Franz Grillparzer
DER TOD MEINER FRAU
Mich ließ niemand spielen,
mich kannte kein Intendant
und kein Theaterzettel nannte meinen Namen.
Ich, der akademische Schauspieler Hempel,
ging gleich von der Schauspielschule zum Arbeitsamt.
Nachdem sich meine Frau mit Leuchtgas vergiftet hatte,
weil sie seit ihrem Kinderfilm nie wieder spielte
und nun ein zweites Paar Schuhe haben wollte,
traf ich einen früheren Mitschüler.
Wenn es so schlimm mit dir steht, sagte er,
werde ich mit unserem Regisseur sprechen,
der hat ein Herz und liebt Experimente;
der Dorval in Goldoni’s »Rabbelkopf« ist noch frei.
Nun stand ich auf der Bühne,
das war möglich, weil die geschiedene Frau meines Vaters
für die kleine Renate kocht.
Der Regisseur sagte, ich sei ein guter Schauspieler
und könnte eine Kanone werden,
»Ich habe was Neues für Sie,
Ihre Frau war sehr voreilig mit dem Schritt –
Oder ein bisschen hysterisch, was?
Na, wie manchmal die Frauen so sind«, sagte er.
Vielleicht gibt es
nur nicht genügend Theater in dieser Stadt?
Nur eins.
Robert Wolfgang Schnell
GESANG FÜR ALLE FREUNDE
Wie uralt, Vater, Vater der Menschheit,
ach, wie von Muscheln und Kalk so weiß
schaut dein Haupt aus den grünen Wassern,
wo Welle und Schiff wogt ewig lebendig,
Verwesung wittert im schlaffen Segel
verlassener Schiffe. Heben nicht nachts nur
scheu aus dem Fluss der Ratte Krallen
sich aufs verlorene Land, wenn in der
Finsternis der Fische Spiel erstarrt ist?
Dort wohnen am hohen Ufer gebrechlich und kalt,
gierig wie wilde Tiere, Geschlechter der Menschen.
Der trunkene Giebel der früheren Brüder
wendete sich schon längst: wie eine riesige Insel
trocken blieb noch im kargen Strome der Schmerz.
Noch manchmal zittert die Luft
vom falben Abklang der Zeit, da,
wie auf Vogelflügeln leicht umherflog
Geheimnis; die schwebende, köstliche Botschaft
der friedlichen Herzen.
O! Alle heimlichen Stätten des Volkes
brechen: wie der getroffene Adler hinabstürzt
ins graue Gestein, Wort um Wort erkalten
im Hasse so die Wellen der Zwiesprache!
Schlafe! Dein Haupt lege ans Meer, in
die Gräser des Strandes und mit erwachendem
Ohr empfange das Brausen der Wogen,
die Wäralichen Schreie der Möwen; dünn
lebt ein Laut im aufgeschreckten Gras:
greifet nicht alles die Einfalt des tätigen Herzens,
blicket dich nun nicht alles erfüllter an?
In runder Bewegung rollen die Wasser,
zerschellen im Staub, um schnell ihren Brüdern
ein nämliches Spiel zu gönnen. Faltet
Ihr nicht und wirket dann rastlos,
so vom Bilde erregt,
altes Werk an ein neues an? Knüpfet
Ihr nicht erlösend, ewig, wie zum Teppich,
frisches Tun an alte Tat?
An der mit Schimmel behangenen Schiffswand
klettert der alte Wassergeist einmal ans Land,
aus den Lüften schweben hinab
Engel und Hexen, viel Doppelgestalten und Heilige
und was dem Innen entsteigt: sie fassen es,
zur Mitte schreibend. Alles kreiset im Wirbelsturme
des Vaters: um die Menschenerde rasend
das Feuer; strudelnd bewegt die Wasser,
er rufet die Lüfte zur Jagd, voll Ruhe
schwelgt in seiner Hand die Harmonie der Elemente.
Und nun, der Euch ergriffen
mit so Lebendigem Leben,
wachset nun, beginnet zu blühen!
Zittert nicht!
Wisset, der schaffende Urgrund:
jede Sünde vergibt er bei einer neuen Geburt.
Wenn ich nun, Freunde, diesen Gesang,
diesen Gesang meiner Freuden und Leiden
des Lebens verachtetes Hochgefühl, das sich abwendet
von Sprache und aller Erklärung und Leibhaftig
da erscheint, wo Zwietracht vergessen, wo Liebe
geboren, wenn ich diesen Gesang richte an Euch,
neiget ein Ohr mir zu!
Verachtet, was nicht von Leben quillt!
Der von viel verhaltenen Lauten umklungen,
den Hort der Erfüllung, von Tränen umspült,
nehmt ihn auf, den Tod, da, wo er erstrahlt
im Lichte des Lebens;
tränket die ganze Wanderung durchs All
mit seinen vielen Gesichten.
Wo im Besiegen deutlich ein Gott wird,
strauchelt kein Fuß,
nimmt er alle Kinder mit sich hinab.
An seinem vielfach durchbohrten Herzen
ruhet dann keiner
der sich nicht nährt
vom süßen Blute aller Welten.
Robert Wolfgang Schnell
GESÄNGE AN ANNA-MARIE KERN
1.
Die du hingingst über alle Gewässer des Zorns mit mir,
wo bleibt Dein Herz in diesem Frieden?
Schau rings um Dich her!
Siehst Du nicht wie tausend Blumenhände nach Dir greifen,
wie ihr Duft sich mischt mit den Fällen unseres Lachens
über die winzige Brüstung des Gartens?
Alles gäret für Dich nur und die Früchte
werden rosig um Deinen Augen köstlich zu sein.
Äste neigen sich über die Wegfluchten,
um Deinen Fuß zu beschatten in der Pracht.
Und nun in der Stunde willst Du mich verlassen,
in der die Welt aufsteht und die Gestirne, uns zu grüssen?
Lausche vor dem Abschied und prüfe die Flügel
der seligen Stunden unsrer Zusammenkunft!
2.
Sanft war ihr Rauschen am Anfang, mehr noch ein Tasten
und Verführung war schwach nur in der Frühe.
Lächelnder Wind trieb selten ein Wölkchen.
Die Höhen waren immer hingelagert im Abglanz
des schüchternen Mondes. Die drohenden Täler
vergaßen ihre Wildheit in fahlem, steigendem Dunst.
Keine Nacht war eine Nacht in der die Tiefen
gebären konnten. Keine Stunde war genug
in Abgrund gebettet für die Freiheit der Herzen
und kein Gewitter stand auf, uns zu retten!
Keine Wiese war so in Schmelz gelagert,
dass ihre Gräser unsere Tänze getragen hätten.
Wir waren zu schwach die Weisheit der Nächte
zu fassen in unsere geknechtete Demut.
Darum fanden wir die Tränen nicht
und die traurigen Lieder nicht,
die in den Lüften erstanden für uns.
3.
Tiefer will die Welt gefasst sein
und mit erhobenen Armen empfangen!
Nicht genügt: sie zu kennen und zu lieben!
Und wer will alle Stimmen kennen
und die Lüsternen lieben, die an Ecken
uns in brünstiger Wollust erwarten?
Leichte und spielende Winde genügen nicht
und Schmetterlingsflügel und nicht der Vogelflug!
Viel Leid zerschmilzt vor glühender Sonne!
Viel Lust vergeht in peitschender Finsternis!
Warum sind wir müde geworden zu warten?
4.
Wie gerecht straften die Wälder die Müden:
dass das Laub fortflog und die Tritte
immer nur den harten Boden schlugen
und brachen unter Lasten und Qual!
Immer nur um uns müde zu peitschen!
Selbst der Mond verging und das Gestirn.
Kein Orion-Sänger sang süß mehr in unsre Ohren.
Wir aber konnten noch nicht zerbrechen.
Vom Herzen die Brücke zur Welt war schwer geworden
wie Blei – aber sie trug noch den klanglosen Fuß
und führte uns langsam zu den Tälern des Trugs.
Qualen scheuchten vor der Lust – aber das Herz
es jauchzte nur Sekunden und ward müde
in der Endlichkeit: mit dem Tod der Genüsse!
5.
Und da! – Der regere Wind gab uns den Auftrieb
gerade auf der Schneide des Messers!
Wir sangen die ersten schüchternden Töne
in den sinkenden Sommer und empfingen
mit hungergeöffneten Augen den schwanken Herbstkahn.
Mit den Füssen noch watend im heißen Hass,
wurde das Herz der Liebe zum ersten Mal kundig!
Ein braunes Blatt aber fiel zugleich auf
die wächserne Stirn Dir vom sterbenden Baum,
tropfte Tränen in unsere Seligkeit.
Aber der Tanz ward getan in den flüchtenden Tag
und ein Stück noch gerettet in das kommende Jahr.
Die Gräser waren stark unter den schwebenden Füssen,
Ewigkeit schwang in ihnen und heute noch grünt die W
Wüssten wir sie zu finden in unserer Verhängnis!
6.
Und nun!
Die Du hingingst über alle Gewässer des Zorns mit mir
wo bleibt Dein Herz in diesem Frieden?
Schau rings um Dich her!
Nun in der Stunde willst Du mich verlassen,
in der die Welt aufsteht und die Gestirne, uns zu grüssen?!
Noch sind die Täler nicht hell! – Ich weiß es!
Auch ich sehe in den neugekommenen Blumen den Tod lauern
und sehe die Blätter am Stamme ersterben.
Und Du willst mich verlassen? – Keiner kann
allein die Erde ertragen und zwei Pfeiler
braucht der Himmel zu seiner Stütze,
wenn er aufstehen will über reißende Bäche.
Und glaube nicht, dass die Glut Dir vergeht
in der Schwäche und Ohnmacht!
Nicht müssten die Winterträumenden Gärten
den Frühling noch in die Länder kommen sehen,
wenn der Atem verging! – Das Herz wird kühl,
wenn Dich der Morgen verloren empfängt
und Du stirbst hin und stürzt in das eigene Eis!
Robert Wolfgang Schnell
MORD (VARIANTE II)
Tot ist das aufgestoßene Tor.
Stallgeborene Ziege weiß nicht,
was Nacht bedeutet.
Draußen liegt kein Stroh.
Auf dem Dach wartet die Katze,
die ohne Licht steht.
Der Karren kreischt
unter Fledermäusen davon.
Bleibt der Getötete zurück,
mit aufgerissenen Augen,
Zuschauer, vor dem niemand spielt.
Vögel stehlen die Augen:
Warum sehnten sie sich soweit fort?
Wenn jetzt der Stuhl wüsste
wozu er neben zerschlagener Stirn steht,
brauchten wir keine Gedanken
und der Tod des Grauens hätte
seine eigene Geburt überflügelt.
Robert Wolfgang Schnell
MORD (VARIANTE III)
Tot ist das aufgestoßene Tor.
Stallgeborene Ziege weiß nicht,
was Nacht bedeutet.
Draußen liegt kein Stroh.
Wartend sitzt auf dem Dach die Katze
ohne Licht sehend.
Der Karren kreischt
unter Fledermäusen davon.
Bleibt der Getötete
aufgerissenen Auges ruhen.
Zuschauer, vor dem niemand spielt.
Stehlen Vögel die Augen,
sie sehnten sich zu weit fort.
Wenn jetzt der Stuhl wüsste
wozu er steht neben zerschlagener Stirn,
brauchten wir keine Gedanken
und des Grauens Tod hätte seine Angst beflügelt.
Robert Wolfgang Schnell
WIND, WOLKE, TOD
Ich weiß nicht, Wind,
bist du in mir zu Hause?
Mein ganzes Innen zittert wie ein Kind.
Ich weiß nicht, Wolke,
hüllst du mich ein?
um mich sind Schwärme von flüchtigen Wolken.
Ich weiß nicht, Tod,
hast du mich schon gefangen?
Meine Augen sehen wie Blut so rot,
ich trage nicht mehr Lust, und nicht Verlangen.
Robert Wolfgang Schnell
Genug!
Gib uns, wonach die Erde lechzt,
Sonst wird die Schale voll und voller,
Nicht nach dem Ruhm der Hohenzoller,
Der Friede ist’s, wonach sie ächzt.
Den wir allein bis heute kennen,
Laß uns, den Ruhm der Menschlichkeit;
Er wird zu Rauch, wo Städte brennen,
Zu Sünde, wo der Hunger schreit.
Und du, mein Land, gibst für den Wahn
Dahin des Ideales Kränze?
Soll dich der Völker Haß als Grenze
Umschlingen wie ein Ozean?
Verderben zeuget nur Verderben,
Den Tod ruft, wer auf Leichen tritt;
Kein Volk noch sah allein ich sterben,
Am Siege stirbt der Sieger mit.
Moritz Hartmann
Na Jaren
Als ik na jaren weer zal komen
uit mijn overgroeide graf,
zal ik dan nog de verzen horen
die ik bij mijn leven gaf?…
Zal er dan nog een enkele wezen
die ze niet vergeten heeft,
zal er nog één de bladen lezen
waar ‘k mijn ziel heb uitgeleefd?…
Laat ik niet hopen, laat ik niet denken,
dichters komen, dichters gaan,
zoals ik had, zo moest ik schenken
en mijn lief heeft mij verstaan.
François Pauwels (1888-1966)
Senacherib
Wie Wölfe in die Hürde, brach Achurs Macht herein,
Und es prangten seine Scharen in Gold und Purpurschein;
Wie auf dem Meere die Sterne, war seiner Speere Glanz,
Wenn nachts die Wellen zahllos sich heben in kräuselndem Tanz.
Wie Waldeslaub im Sommer, wenn grün die Bäume stehn,
War noch mit seinen Bannern am Abend das Heer zu sehn,
Wie Waldeslaub im Herbste, wenn kalt der Wind gebeut,
Lag dieses Heer am Morgen verwelkt dahingestreut.
Denn hehr auf Sturmesschwingen der Todesengel flog
Und hauchte dem Feind ins Antlitz, als er vorüberzog.
Da wurde nachts das Auge der Schläfer stier und weit,
Und es hob sich ihr Herz noch einmal und schwieg auf Ewigkeit.
Mit weitgeöffneter Nüster lag da das Schlachtroß gut,
Doch ihm entschallet nimmer sein Schnauben in stolzem Mut.
Der Schaum seines Todeskampfes glänzt rings am Rasen umher,
Weiß, kalt, weithin wie Spritzschaum, den aufwirft das stürmische Meer:
Bleich liegt mit verzerrten Zügen der Reiter ausgestreckt,
Und es deckt der Tau die Stirne, und der Rost die Rüstung deckt.
Und rings die Zelte schweigen, das Banner einsam steht,
Unerhoben bleibt die Lanze, ungeblasen die Drommed. –
Und Achurs Witwen weinen und klagen laut zumal,
Und es stürzen alle Götter im Tempel ein des Baal.
Die gewalt’ge Macht der Heiden ist sonder kampf ud Streit
Dem Schnee gleich hingeschmolzen vor Gottes Herrlichkeit.
Lord George Gordon Byron
Vertaling Emil Neubürger
Het papier op de lelie
Het papier ligt op de lelie,
en op de bladeren van de lelie.
De kamer is van spiegels.
En hij, hij zit aanstellerig op de rand van zijn graf
en luistert naar het slikken van de tijd
in het gedicht tegenover hem,
het ongrijpbare.
Het papier ligt op de lelie,
en op de bladeren van de lelie.
De kamer is van spiegels.
Ik ben in alle spiegels.
Cees Nooteboom
O Schreckenszeit
O Schreckenszeit, o Schreckenszeit!
Und immer mehr wächst Graun und Leid.
Wahrscheinlich hat
des Himmels Rat
bestimmt, uns zu verderben.
Mit Wunden sind wir ganz bedeckt,
die Welt hat sich das Ziel gesteckt,
daß durch das Schwert wir sterben.
Von außen bringt der Krieg uns Not;
doch Böseres im Innern droht;
Die grause Pest
gibt uns den Rest.
Hart über dich ergehen
des Schicksals Schläge, Vaterland;
an deinen Grenzen immer stand
der Tod, bereit zum Mähen.
Heißt’s sterben bis zum letzten Mann?
Und wird sich jemand finden dann,
der dieses Bild,
so schaurig wild,
der Nachwelt einst beschriebe?
Und kann auch einer all das Graun
wohl schildern, wie es wär zu schaun,
wenn er am Leben bliebe?
Erzählt er alles, wie es war
und wie es uns ward offenbar,
gibt’s einen dann,
ler’s glauben kann,
laß all dies ist geschehen?
Greift er nicht zweifelnd an die Stirn
ind meint, daß solches nur im Hirn
on Narren kann entstehen?
Sándor Petófi
Vertaling Lorenz Landgraf

7
Iedereen kom ik hier tegen, duivels uit andere
levens, dieren uit een vergeten blazoen,
vrouwen in leeuwengedaante, eenhoorns,
gemaskerde varkens, ik val uit mijn schilderij
en kijk om naar de schilder, hij heeft mijn
hand nog niet af, er loopt een mier door de verf,
de pianist in de bunker speelt een lied
uit de oorlog. Zo krijg ik alles weer terug,
de dode piloot in de boom, de stem van mijn
vader die lopend kon eten, ik hoor zijn
geluid maar geen woorden, ik weet het,
hij wil naar zijn graf maar ik kan hem niet helpen.
Hij heeft er geen.
Cees Nooteboom
Die Friedenspfeife
Nach Longfellow
Doch Manitu, des Lebens Fürst, stieg wieder,
Der Mächtige, ins grüne Grasland nieder,
Ins Grasland weit und felsenberggekrönt;
Und dort am Klippenfirst des Roten Schroffen,
Dem Raum gebietend und vom Licht getroffen,
Reckt er sich auf und seine Hoheit dröhnt.
Nun rief der Stämme Unzahl er zum Thinge,
So reich an Volk, daß Gras und Sand verginge.
Mit seiner Riesenhand brach er ein Riff
Vom Fels, aus dem er eine Pfeife machte,
Zu der das Rohr er sich am Strome sachte
Aus einer mächtigen Garbe Schilfes griff.
Um sie zu stopfen nahm er Weidenrinde,
Und, der die Kraft erschuf, stand frei im Winde
Und brannte wie ein göttliches Fanal
Die Friedenspfeife an. Noch auf dem Schroffen
Sog er den Rauch und ward vom Licht getroffen.
Doch für die Völker war es das Signal.
Und langsam hebt der Rauch sich in den Lüften
Des sanften Morgens, wellig, schwer von Düften.
Zunächst scheint er ein düstrer Nebelstreif,
Dann wird der Qualm zu grauem Dampf und dichter,
Dann bleicht er, schwillt und steigt und endlich bricht er
Sich an der Himmel hartem Kronenreif.
Und ferne von des Felsgebirges Wällen,
Der Seen des Nordens lauten Wasserfällen,
Von Tawashenta, Tal, dem keines gleicht,
Bis Tuscaloosa, Wald von süßen Düften,
Sehn alle das Signal, das in den Lüften
Des Scharlachmorgens auf im Frieden steigt.
Die Deuter sprechen: «Seht ihr dieses Schwelen,
Den Qualm, der, so wie Hände im Befehlen,
Dort schwingt und dunkel vor der Sonne dräut?
’s ist Manitu, des Lebens Fürst, der nieder
Ins weite Grasland stieg und nunmehr wieder
Die Krieger all zu seinem Thinge beut.»
Da kommen auf den Strömen, auf den Wegen,
Wo immer her der Winde Atem fegen,
Die Krieger aller Stämme, allzumal
Vom Qualme, der zum Himmel stieg, betroffen,
Gehorsam zu dem Thing am Großen Schroffen,
Zu dem sie Gitsche Manitu befahl.
Die Krieger halten in der grünen Weite
In Wehr und Waffen und gestählt zum Streite,
So bunt gefärbt wie Laub zum Herbst im Wald;
Und Haß, der allen Wesen Kampf verkündet,
Der Haß, der ihrer Ahnen Aug entzündet,
Auch aus dem ihren Todesgluten strahlt.
Und es ist voll von altererbtem Hassen.
Doch Manitu, der Erde Herr, gelassen
Erbarmensblicke auf sie alle tut,
Gleich einem der Verkehrung feinden Weisen,
Der sieht wie seine Söhne sich zerbeißen!
Denn jedes Volk hält Manitu in Hut.
Er breitet über sie die starke Rechte,
Daß er ihr Herz und ihre Enge knechte,
Ihr Fieber kühl’ im Schatten seiner Hand.
Dann spricht er hoheitsvoll und mit der Stimme
Der Wasserflut im Aufruhr, die im Grimme
Des Falls ein übermenschlich Tönen fand:
«Nachkommenschaft, beklagenswert und teuer!
O Söhne mein, hört Himmelsweisheit an,
Denn Manitu, des Lebens Herr und Steuer,
Spricht nun zu euch, derselbe, der in euer
Gefild den Büffel, Bär und Elch getan.
Ich gab euch reiche Jagd und Fang hienieden;
Was ward im Jäger denn der Mörder wach?
Ich ließ euch Vögel nisten in den Rieden;
Was seid ihr Frechen denn noch nicht zufrieden?
Was stellt der Mensch denn seinem Nachbarn nach?
Ich bin gar müd des Kriegs! In eurem Munde
Wird Sünde noch Gebet und Weihewort!
Weil ihr in Zwietracht lebt, geht ihr zugrunde,
Und eure Kraft liegt doch im Bruderbunde.
Seid Brüder denn und lebt im Frieden fort!
Bald schenkt euch meine Milde den Propheten,
Der, euch zu lehren, mitzuleiden kommt.
Das Leben wird zum Fest durch des Beredten
Verkündet Wort; doch schmähet ihr sein Beten
In Fluch Verstrickte – dann im Nichts verkommt!
Wascht ab der Blutgier Farben in den Fluten!
Hier habt ihr Fels, dort Schilf, was jeder braucht
Zu seiner Pfeife. Keiner soll mehr bluten
Und morden mehr! In brüderlichen Gluten
Vereint zum Bund die Friedenspfeife raucht!»
Sie werfen jäh die Waffen auf die Brache,
Die Kriegsbemalung löschen sie im Bache,
Die stolz auf ihren wilden Stirnen gleißt.
Ein jeder höhlt den Pfeifenkopf und schneidet
Am Strand ein Rohr, das er sich zubereitet.
Und seinen Kindern lächelt zu der Geist!
Und alle ziehen heim; es sind die Geister
Beglückt und still. Doch Manitu, der Meister
Des Lebens, geht durchs offne Himmelstor.
-Durch einer Wolke glanzerhellte Dünste
Schwebt der Allmächtige, froh seiner Künste,
In Hoheit, Duft und Licht gehüllt empor.
Charles Baudelaire
Vertaling Karl Schmid
Nelly Sachs an Ingeborg Bachmann, (Stockholm], 9. Februar 1961
Sie tanzt –
aber mit einem schweren Gewicht –
Warum tanzt sie mit einem schweren Gewicht?
Sie will untröstlich sein –
Ächzend zieht sie ihren Geliebten
am Gelock des Weltmeeres aus der Tiefe
Atem der Unruhe bläst
auf das rettende Gebälk ihrer Arme
Ein leidender Fisch zappelt sprachlos
an ihrer Liebe
Aber plötzlich
am Genick
Schlaf beugt sie hinüber
Freigelassene
sind Leben –
sind Tod –
Nelly Sachs
Verjaardag 1-5
Verjaardag 1
Naakt op de rots is zij voor hem een raadsel
zoals de schil op het bord de vrucht is en toch niet,
zoals hij blijft kijken en haar toch niet ziet,
twee onbekenden die elkaar goed kenden,
verrieden, roofden, troostten en verrieden.
Want wast de zee de rotsen?
Of wassen de rotsen de zee?
2
Zij is een huls van vlees die stilligt op een steen,
een vlinder met een vlinder om zich heen,
en hij is iets dat wegdrijft en weer terugkeert,
liegt, breekt en streelt, liegt, wegdrijft en weer terugkeert.
Open als een schelp,
dicht als een steen.
3
Zij herkennen elkaar op de foto’s
twee toeristen met rugzak en zonnebrillen
rondtrekkend in elkanders leven:
Dracula de beminde met zijn maagdelijke non.
Maar niemand stierf aan de tanden.
En niemand stierf aan het licht.
4
Zo vergaat weer een zomer in het huis van de stilte.
Hitte, stenen en sterren boetseren hun gedachten.
Ze berekenen het seizoen, de vrienden, de kansen,
en praten over gedichten en geld.
In de verte slaapt de zee aan zijn ketting
en past op het huis.
5
Nu, meer dan ooit, tellen de uren:
de mot vliegt verblind uit de schaduw,
de hagedis wacht tegen de muur,
de slak eet de plant, de spin eet de vlieg,
de mieren de kever,
de uil zit versteend in zijn sneeuwwitte masker
en iedereen wacht,
iedereen eet en wacht, iedereen wacht
tot de avond voorbijgaat als een leven
en de nacht als een dood
tot het leven voorbijgaat als een avond
en de dood er op volgt als een nacht.
Cees Nooteboom
Uit: Vuurtijd, Ijstijd, De Arbeiderspers, Amsterdam, 1984
Ablösung
Ach! Die Apfelbäume in Blüte!
Ich lege Blüten in meine Briefe.
Ich werde lesen in einer Wiese.
Ich werde beim Waschen zum Fluß gehn.
Er, der vor mir im Glied marschiert,
Flötet ein Lied, das sein Nebenmann singt;
Ein Lied, das weit entfernt ist vom Krieg:
Ich summe es mit und schmecke es nach.
Und doch: die Gefallnen von Gestern!
Aber der Mensch, der gestrauchelt ist
Zwischen den Beinen des Todes,
Der dann sich wieder erhebt und atmet,
Kann nur noch lachen und schluchzen:
Die Seele hat keinen Platz für Trauer.
Das Licht ist zu berauschend für den,
Der an diesem Morgen noch lebt;
Er ist schwach und ist voller Staunen,
Daß er ohne Hast seinen Weg geht.
Und wenn er träumt, dann wohl von dem Glück,
Die Stiefel auszuziehn, um zu schlafen,
In Neuvilly, in einem Stall.
Charles Vildrac
Vertaling Wollgang G.Deppe
Weihnachten 1960
Wortlos spielt sie mit einem Aquamarin
aus dem Treugelöbnis ihrer Vorzeit –
dieser blaue Himmel ist von einem Kuß ihres Geliebten be-
wohnt
mit einer Omega-Umarmung gibt sie ihm Ort – Dasein – und
Grabstätte.
Ihr Adernetz umfasst die Liebe
ihr Leben ist gerettet.
Wortlos liebt sie die Tonleiter entlang –
sie ist die Sanftmut im irrlichternden Haus
Verlassenwerden heißt für sie
für Zwei nun weiterlieben
von Treulosigkeit ins Himmelreich zu springen –
Nicht geht sie auf Wanderschaft
mit ihrem rieselnden Staub
sie ißt die süße Sonntagsspeise
und küßt den Stein
und horcht auf seine blaue Sprache
der Lichterjahre im Millionenfunkeln
Aber Meere sind schon aufgelöste Liebende
im leisen Seeligwerden ihres Blutes –
Nelly Sachs
Für Ingeborg!
aus dem Zyklus: »Noch feiert Tod das Leben.«
Nach tiefer Dunkelheit im Krankenhaus Beckomberga im
November 1960 geschrieben
Vijf koude gedichten
telkens en toch weer proberen
een bloeien te slaan in de woorden
totdat ze zullen verraden
een geheim van de andere kant
vanwaar al de warmte gevlucht is openlijk
en gebleven alleen nog maar woordeloos gras
dat vermindert
waar de bomen zich wonden bijten
om een laatste drinkplaats te vinden
maar vreselijk zijn ze bevroren,
gestorven zichzelf niet meer
zodat hij die dit alles draagt
een drager moet zijn van woestijnen
een gebieder alleen maar van droogte
een tropische weelde van koude
maar de kou is zo onbewogen
zal mijn stem ook niet verder dragen
want zelfs als het praten nog doorloopt
zal de adem al lang zijn gestorven
en hier en aards en onwetend
verblijven op krimpend gebied
in het luisteren vol verdorring
nee, niets en niets neem ik mee,
niets blijf ik over
niets wat gedaan of gesproken
vindt ergens een eindige haven.
want elke troost
en prater van troost
wendt zich af
bij gebrek aan een regen
en als het er dan om gaat
in hitte te verschroeien
of in kou te verstenen
wie is dan een waker
zo pijnlijk alleen blijvend
en ontbreken
van binnen de kou ingroeien als een gewas,
een fijnzinnig gewas op een landschap
voor niemand
die het zal plukken.
en gegeten niet worden
alleen blijven als een
steen
gegroeid in een regenloos tijdperk
daar maar staan
zo koud, zo koud,
niet eens meer om aan te raken
daar is toch wel een lied voor
zoals voor elke verschrikking
zo sterven draagt toch wel namen
zoeter dan allerlei bloemen?
beweging wordt nu een schennis
praten een roekeloos gebaar, dat
de dood zou vermurwen
maar nu al zijn er geen praters meer,
hoe jeugdig is de woestijn
en vol overmoed van zwijgen –
zelfs het geraas van het mos,
het bulderen van de druppels
het is hier genadig onhoorbaar.
daarom, ik geloof
het is beter te zeggen
dag hart dag ogen van
waanzin nu al vervuld
omdat nergens een koelte
en nergens troost
zelfs de avondnevel
verbergt zijn rozen
en de keel van de zee
is droog, zonder tranen
nee, beter is het
de dood te verdrinken
midden in het lichaam
en voorgoed en voorgoed
het ellendige leven
besmetten.
Cees Nooteboom

Für eine Nacht nur
Schickt ins Feld sie alle nur für eine Nacht,
Die von Parteien schwatzen und Helden, wenn wir halten Wacht,
Für eine Nacht nur.
Die es frech verkünden: «wir können nicht vergessen»
Und die Todesinstrumente unterdessen
Musizieren über uns, die Nebel tragen
Verkohlten Samen und Bleivögel mordlustig über uns jagen.
Schickt ins Feld sie alle nur für eine Nacht,
Die aus dem Balken einen Splitter stets gemacht,
Für eine Nacht nur:
Wenn mit Getös zu dröhnen beginnen die Granaten,
Blutige Erde weint um die geknickten Saaten,
Arglistig blitzen die Kugeln, lechzend nach Menschenblut,
Aus den Ufern tritt der Weichsel blutrote Flut.
Schickt ins Feld sie alle nur für eine Nacht,
Wucherer, Knicker und Feiglinge, elende Niedertracht,
Für eine Nacht nur.
Wenn auf dem Vulkane der Granaten früh und spal
Sich der Mann verwundet wie ein Baumblatt dreht,
Und der schöne rote Held zu Boden sinkt entleibt,
Nur ein schwarzer Leichnam von ihm übrigbleibt.
Schickt ins Feld sie alle nur für eine Nacht,
Geldverdiener und Gottlose, die uns verlacht,
Für eine Nacht nur.
Wenn der lodernde Höllenschlund sich öffnet im glühenden Raum,
Menschenblut fließt am Boden und tropft von jedem Baum,
Wenn das zerfetzte Zelt leis wimmert in Wetter und Wind
Und der sterbende Krieger seufzt: Mein Weib, mein Kind.
Schickt ins Feld sie alle nur für eine Nacht,
Die Hurra-Helden, die alles erdacht und besser gemacht,
Für eine Nacht nur.
Wenn am hellen Himmel erglänzt der Sterne schimmerndes Licht,
Möge im San ein jeder erblicken sein eigen Gesicht,
Sehen, wie die Flut das dampfende Blut wälzt ins Meer,
Auf daß sie weinend Alle jammern: Nicht weiter, o Herr!
Schickt sie ins Feld, sie alle nur für eine Nacht,
Dort denken sie dran, daß die Mutter in Schmerzen zur Welt sie gebracht.
Für eine Nacht nur.
Dort wollten sie aneinander sich schlingen und Buße tun,
Doch ließe ihr böses Gewissen keinen von ihnen ruhn,
Sie rissen die Kleider sich vom Leibe, verfluchten ihr Joch
Und heulten aus heiserer Kehle: Christus, was willst du noch?
Christus, was willst du noch? Sagt, Brüder, was soll ich euch geben,
Um mein Blut zu bezahlen, ich will ja nur weiterleben?
Wie wollten sie alle, alle schwören.
Hoffärtige, die den Glauben verhöhnten mit ödem Spott,
Wie wollten sie Christus jetzt rufen und den allmächtigen Gott!
«Gegen mein Blut nie wieder Kampf um keine Erdenmacht!»
… Schickt ins Feld sie nur für eine Nacht.
Géza Gyóni
Vertaling Lajos Brájjer
Ihr liebt uns
Ihr liebt uns, wenn wir Helden auf Urlaub sind,
oder verletzt an einem erwähnbaren Ort.
Ihr verehrt Orden; denn euer Credo beginnt:
Kühnheit wischt die Schande des Krieges fort.
Granaten dreht ihr für uns, ihr lauscht entzückt
gruselnd Geschichten von Gefahr und Kot.
Von euch wird unser ferner Kampf geschmückt,
und euer Lorbeer feiert unsern Tod.
Ihr könnt nicht glauben, daß britische Truppen «weichen»:
zermürbt von Höllen rennen sie davon
und zertrampeln blind vom Blut die gräßlichen Leichen.
O deutsche Mutter, du träumst im Feuerschein?
während du Socken strickst für deinen Sohn,
tritt man ihn tiefer in den Schlamm hinein.
Siegfried Sassoon
Vertaling Erich Fried
