God in de leegte – leegte als Theotopie (9)

2. De leegte in en van het zelf

De schrijver Cioran getuigt van de leegte, van het niets, net zoals de soldaat die een verschrikkelijke oorlog overleeft en daarna eigenlijk niets meer over heeft om voor te leven.(1) Cioran aan het woord:

Nicht mehr leben können

Es gibt Erfahrungen, die man nicht überleben kann. Darnach fühlt man, dass alles, was man auch täte, keine Bedeutung mehr haben kann. Denn nachdem man die Grenzen des Lebens erreicht, nachdem man alles, was jene gefahrenreichen Gestade bieten, in Verzweiflung durchlebt hat, büßen die alltäglichen Gebärden und das gewöhnliche Streben jeglichen Reiz und jede Verlockung ein. Wenn du trotz allem überlebst, ist es doch dem Objektivationsvermögen zu verdanken, vermittels welchen du jene unermessliche Spannung schreibend abschüttelst. Schöpfertum ist nur eine zeitweilige Rettung aus den Klauen des Todes.

Mir ist, als müsste ich wegen allem, was mir das Leben zu bieten vermag, und auch wegen der Aussicht auf den Tod bersten. Ich spüre, dass ich sterbe: aus Einsamkeit, Liebe, Hass und wegen allem, was die Erde mir darreicht. Es ist, als ob ich mich in jedem Erlebnis wie ein Ballon – weit über meine Widerstandsfähigkeit hinaus – aufblähte. In der schrecklichsten Intensivierung vollzieht sich eine Konversion ins Nichts. Du schwillst innerlich an, steigerst dich zum Wahnsinn, bis an den Rain des von der Nacht entführten Lichts, bis alle Schranken zerrinnen: und aus jener Überfülle schleudert dich ein bestialischer Wirbel unmittelbar ins Nichts hinab. Das Leben entfaltet Fülle und Leere, Überschwang und Depression; was sind wir denn schon angesichts des inneren Wirbels, der uns bis zur Absurdität ausrenkt? Ich fühle, wie das Leben in mir vor allzu ungebärdiger Inbrunst pocht, aber auch, wie es vor zuviel Ungleichgewicht kracht. Es ist wie eine Explosion, die sich kaum zügeln lasst und auch dich unwiederbringlich in die Luft zu jagen vermag. An den Grenzscheiden des Daseins merkst du, dass du deines Innenlebens nicht mehr Herr werden kannst, dass die Subjektivität ein Trugbild ist und dass Kräfte in dir brodeln, die du nicht verantworten kannst, deren Entwicklung in keinem Verhältnis zur Zentrierung der Persönlichkeit oder zu einem bestimmten individualisierten Rhythmus steht. Was erscheint an den Ufern des Lebens nicht alles als Anlass zum Tode? Man stirbt wegen allem, was ist, und allem, was nicht ist. Jedes Erlebnis ist in diesem Falle ein Sprung ins Nichts. Wenn du alles, was dir das Leben dargeboten hat, bis zum Paroxysmus, zur äußersten Anspannung durchlebst, ist jener Zustand erreicht, in dem du nichts mehr erleben kannst, weil dir nichts mehr bleibt. Selbst wenn da diese Erlebnisse nicht nach allen Richtungen durchlaufen hast, es genügt, die wichtigsten aufs Äußerste getrieben zu haben. Und wenn du dich aus Einsamkeit, Verzweiflung oder Liebe sterben fühlst, bilden die anderen Erlebnisse ein unendlich schmerzendes Trauergefolge. Die Empfindung, nach derartigen Schwindelanfällen nicht mehr leben zu können, ergibt sich aus innerer Verzehrung. Des Lebens Flammen züngeln in einem geschlossenen Herd, aus dem die Glut nicht entweichen kann. Die Menschen, die auf einer äußeren Ebene leben, sind von vornherein erlöst; aber was können sie schon hinüberretten, kennen sie doch keinerlei Fährnisse? Der Paroxysmus der Innerlichkeit und des Erlebens fuhrt dich In ein Gefilde, wo die Gefahr absolut ist, weil das Dasein, das im Erleben mit angespanntem Bewusstsein seiner Wurzeln gewahr wird, sich selbst verneint. Das Leben ist allzu begrenzt und fragmentarisch, um gewaltigen Spannungen standzuhalten. Überkam denn nicht alle Mystiker das Gefühl, nach großen Ekstasen das Leben nicht mehr fortsetzen zu können? Was sollten jene, deren Empfindungen das Normale sprengen, noch von dieser Welt erwarten: Leben, Einsamkeit, Verzweiflung oder Tod?(2)

I

me, I borrowed his body
and that segment of the flow of time

my coming into this world was like a surrealist painting
and from that moment—awesome—there was grief/joy

desire, and ambition—these I understand
although I’m only borrowing

but suddenly I clean forgot the full story
including the fact that I too was originally once a universe

and because of this, I have
elaborated games

with that being and the whole of this egg-shaped life
turning day and night into one another’s dreamworlds

when I wake in another dream
I find that I’ve

unwittingly inscribed a poem
entitled “I”

Chen Kehua(3)


Noten:

1 Guy Sajer, De vergeten soldaat. Roman, Amsterdam Antwerpen 2021. Telkens komt de zinloosheid van het leven ter sprake, telkens als er weer een veldslag is overleefd, of tijdens de angst die deze gruwelijke verwoesting van het oorlogsgeweld met de psyche en de geest van de soldaten doet.

2 E.M. Cioran, Werke, Frankfurt am Main 2008 (Suhrkamp), pp. 17-18

3 Chen Kehua, Simon Patton, Manoa, University of Hawai’i Press, Volume 15, Number 1, 200, pp. 17-19 (bron: internet geraadpleegd 12 december 2021:  https://muse.jhu.edu/article/42466#info_wrap)



Dit is een deel uit mijn essay: God in de leegte. Het hele essay is te lezen (eventueel te koop) (en te downloaden) op: