exegese van de ziel

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DIE EXEGESE DER SEELE

Die Exegese der Seele schildert den Fall und die Rettung der Seele: Die Seele verläßt ihren wahren Bräutigam und gibt sich der irdischen Unzucht mit Ehebrechern hin (127,18ff.). Sie erkennt jedoch ihr Fehlverhalten und will zu ihrem wahren Bräutigam zurückkehren (131, 18ff; 135, 21: ,, Denn der Anfang der Rettung ist die Reue.“). Nachdem die Seele sich von ihren früheren Sünden gereinigt hat (131,34ff.: ,,Die Reinigung der Seele aber besteht darin, daß sie die [Neuheit] ihrer ursprünglichen Natur empfängt und daß sie sich wieder zurückwendet — das ist ihre Taufe.“), vereinigt sie sich wieder mit ihrem wahren Bräutigam und empfängt Kinder von ihm (134, 13ff.: ,,Das ist die Auferstehung von den Toten. Das ist die Errettung aus der Gefangenschaft. Das ist der Aufstieg zum Himmel. Das ist der Weg hinauf zum Vater.“). Das Schicksal der gefallenen und geretteten Seele ist dem Helenas, der Gefährtin des Simon Magus, ähnlich (Ir.haer I 23,2f.):

,,(…) Eine Helena, die er in Tyrus, einer phönizischen Stadt, als Dirne losgekauft hatte, führte er mit sich herum und sagte, diese sei sein ,erster Gedanke` (erste Ennoia), die Mutter von allem, durch die er im Anfang den Gedanken faßte, Engel zu erschaffen und Erzengel. Diese Ennoia, die aus ihm hervorsprang, sei, im Wissen darum, was ihr Vater wollte, nach unten hinabgestiegen und habe Engel und Mächte geboren, von denen ihm zufolge auch diese Welt gemacht sei. Nachdem sie sie aber geboren habe, sei sie von ihnen aus Neid zurückgehalten worden, da sie nicht für das Erzeugnis irgendeines anderen gehalten werden wollte. Denn er selbst sei ihnen gänzlich unbekannt geblieben; seine Ennoia aber sei von den Mächten und Engeln, die von ihr ausgegangen seien, zurückgehalten worden und habe Schmach aller Art von ihnen erlitten, damit sie nicht wieder zu ihrem Vater zurückkehre, und das bis zu dem Grade, daß sie auch im menschlichen Körper eingeschlossen wurde und durch die Jahrhunderte hindurch wie von Gefäß zu Gefäß in immer andere weibliche Körper überwechselte. Sie sei aber auch in jener Helena gewesen, um deretwillen der trojanische Krieg angefangen worden sei; deswegen sei Stesichorus, der sie in einem Gedicht geschmäht hatte, des Augenlichts beraubt worden, danach habe es ihm leid getan und er habe die sogenannten Palinoden geschrieben, in denen er sie verherrlichte, und sei wieder sehend geworden. Bei ihrer Wanderung von Körper zu Körper, wobei sie immer (wieder) Schmach erduldete, habe sie schließlich sich in einem Bordell preisgegeben — und das sei das verlorene Schaf. Darum sei er selbst gekommen, daß er zuerst sie zu sich nehme und sie von den Fesseln befreie, den Menschen aber das Heil bringe, daß sie sich selbst erkennen.

Das Vorbild des Seelenmythos in der ExAn ist wahrscheinlich der gnostische (vor–valentinanische) Sophiamythos; innerhalb der Nag–Hammadi–Schriften weist die ExAn besonders zum EvPhil und EvTh Ähnlichkeiten auf (androgyner Mythos; Brautsakrament). Auch zum AuthLog bestehen viele Parallelen, was das Schicksal der Seele anbelangt. In ExAn ist der himmlische Vater mit dem Gott des Alten Testaments identisch, ein für die Gnosis ungewöhnlicher Standpunkt, wie er jedoch auch in AuthLog und Sil entfaltet wird.

Auffällig ist der große Umfang der Zitate, die meist aus dem Alten Testament (Psalmen; Propheten) stammen. Aber auch aus dem Neuen Testament (vor allem Paulus), den apostolischen Vätern (1 Klemens) und Homer werden Textbelege entnommen. Es ist möglich, daß der Vf. diese aus bereits vorhandenen Zusammenstellungen von Zitaten (Florilegien) bezieht, die eventuell schon gnostisch gefärbt gewesen sind. Die Funktion der Zitate besteht darin, die Erzählung von dem Fall und der Rettung der Seele schon in den heiligen Schriften (AT/NT) und alten, nämlich wahren, glaubwürdigen Schriften (Homer) aufzuweisen.

Die Datierung der Schrift schwankt zwischen einer sehr frühen Entstehungszeit (altertümlicher Mythos; kein aufwendiges mythologisches System) und einem sehr späten Entstehungsdatum (bewußt vereinfachter Mythos). Wie die Datierung ist auch die Einheitlichkeit äußerst umstritten: Handelt es sich um einen komplizierten literarkritischen Prozeß (Zitate = Redaktion), oder ist von einer relativen Einheitlichkeit der Schrift auszugehen (Zitate = ursprünglicher Bestandteil der Schrift)?

Die literarische Form der ExAn ist schwer zu bestimmen; jedenfalls liegen auch novellenartige Züge vor. Auffällig ist, daß jeder inhaltliche Abschnitt (Fall, Reue, Rettung) mit einer Sentenz kommentiert wird (vgl. oben). Deutlich tritt jedoch der paränetische Charakter der Schrift zutage: Das Schicksal der Seele wird geschildert, damit auch die Leserschaft sich zur Umkehr bewegen läßt und (evtl. durch sakramentale Handlungen: Taufe/Brautgemach) die Rettung erlangt (137, 22ff: ,,Wenn wir bereuen, wird Gott uns erhören.“). Daß die ExAn quasi eine Bekehrungsschrift darstellt und einen missionarischen Charakter hat, könnte auch die altertümliche Struktur des gnostischen Seelenmythos erklären; ein ausgebautes mythologisches System wie etwa in der ParaSeem würde wegen seiner esoterischen und damit unverständlichen Grundhaltung kaum Menschen anziehen. Die exoterische Schrift ExAn hingegen macht mit ihrer klaren Struktur dem antiken Menschen die gnostische Erlösungslehre auf dem Hintergrund mittelplatonischer Weisheitslehre verständlich. Die religiöse Wahrheit dieser Erlösungslehre wird durch das Zitieren alter, vertrauter, ja heiliger Schriften bewiesen.

Deutlich tritt der Bußcharakter der Schrift zutage: Der letzte Absatz (137, 23ff.) könnte sogar auf einen liturgischen Gebrauch schließen lassen.

Einleitung

( 127.18) Die Weisen, die vor uns lebten, gaben (20) der Seele einen weiblichen Namen. Tatsächlich ist sie auch — ihrer Natur nach — eine Frau. Sie hat ebenso (wie andere Frauen) einen Mutterschoß.

Über das Schicksal der Seele in der Welt

Solange sie sich allein beim Vater befand, war sie eine Jungfrau und mannweiblich von Gestalt. (25) Aber als sie in einen Körper hinabgefallen und in dieses Leben gekommen war, da geriet sie in die Gewalt vieler Räuber. Und die Frevler warfen sie sich gegenseitig zu und [schändeten sie]. Die einen mißbrauchten (30) sie [gewaltsam], während andere (so handelten, daß sie) sie überredeten mit [einem] verführerischen Geschenk. Kurz: Sie wurde geschändet, und sie [verlor ihre] ( 128.1) Jungfräulichkeit.

Und sie trieb Unzucht mit ihrem Körper und gab sich einem jeden hin, weil sie dachte, daß jeder, den sie zu umarmen im Begriff war, ihr (rechtmäßiger) Ehemann sei. Jedesmal wenn sie sich (5) den frevelhaften und treulosen Ehebrechern hingegeben hatte, damit sie sie mißbrauchen (konnten), (da) seufzte sie schwer und bereute. Aber selbst wenn sie ihr Gesicht von diesen Ehebrechern abwendet, pflegt sie zu anderen zu laufen; und diese zwingen sie, (10) mit ihnen zu leben und ihnen zu dienen auf ihrem Bett, als wären sie ihre Herren. Aus Scham aber wagt sie es nicht mehr, sie zu verlassen. Sie (sc. die Ehebrecher) aber täuschen sie eine lange Zeit (dadurch, daß sie ihr vorspielen), sie seien treue und wahre Ehemänner, (15) (in der Art), als ob sie ihr große Achtung entgegenbrächten. Und nach alledem verlassen sie sie und gehen (weg).

Sie aber pflegt eine arme Witwe zu werden, die keine Hilfe hat; sie hat auch keinen, (20) der sie anhört in ihrem Leid; denn sie hatte von ihnen nichts erhalten außer den Schändungen, die sie ihr zugefügt hatten, als sie mit ihr Umgang hatten. Und die (Kinder), die sie mit den Ehebrechern hervorgebracht hat, sind stumm und (25) blind und krank. Ihr (sc. der Kinder) Verstand ist verwirrt.

Über das Erbarmen des Vaters

Aber wenn der Vater, der oben im Himmel ist, sie sucht und auf sie herabblickt und sie seufzen sieht — mit ihren Leiden und der Schande — (30) und wie sie die Unzucht, die sie getrieben hat, bereut und wie sie beginnt, [seinen Namen] anzurufen, damit er ihr helfe, wobei sie mit ganzem Herzen [ruft] und sagt: ,,Rette (35) mich, mein Vater, denn siehe: Ich will [dir] Rechenschaft ablegen, [denn ich habe] mein Haus verlassen und ( 129.1) und bin aus meinem Jungferngemach geflohen. Hole mich wieder zu dir zurück!“ –, und wenn er sie sieht, daß sie in diesem Zustand ist, dann wird er sie seines Erbarmens würdig halten; denn zahlreich sind die Schmerzen, (5) die über sie gekommen sind, weil sie ihr Haus verlassen hat.

Prophezeiungen über die Unzucht

Über die Unzucht der Seele prophezeit der Heilige Geist an vielen Stellen. Denn er spricht durch den Propheten Jeremiah: ,,Wenn der Ehemann seine Frau verstößt, und sie (10) geht und nimmt einen anderen, kann sie dann noch zu ihm zurückkehren? Hat sich jene Frau nicht selbst durch Befleckung besudelt? Und du hast mit vielen Hirten Unzucht getrieben; und du bist zu mir zurückgekehrt, spricht der Herr. Hebe deine Augen (15) zur Höhe, und sieh (den Ort), wo du Unzucht getrieben hast! Hast du nicht auf den Wegen gesessen, wobei du die Erde mit deinen unzüchtigen Handlungen besudelst hast und deinen Schlechtigkeiten? Und du hast viele Hirten genommen — dir zum Verhängnis. Du bist schamlos (20) mit jedem geworden. Du hast mich nicht angerufen wie einen Hausbewohner oder Vater oder Schützer deiner Jungfräulichkeit.“pastedGraphic_2.pdf

Wiederum steht beim Propheten Hosea geschrieben: ,,Kommt, geht ins Gericht mit eurer Mutter, denn sie wird nicht meine Frau sein, (25) und ich will nicht ihr Ehemann sein. Ich werde ihre Unzucht von meinem Angesicht entfernen, und ich werde ihren Ehebruch aus der Mitte ihrer Brüste wegreißen. Ich werde sie nackt machen wie an dem Tag ihrer Geburt. Und (30) und ich [werde] sie wüst machen wie ein Land ohne [Wasser]. Und ich werde sie kinderlos machen [durch Durst. Ich] werde mich ihrer Kinder nicht erbarmen, denn sie sind Kinder der Unzucht, weil ihre Mutter gehurt und [ihre Kinder] in Schande gebracht hat. ( 130.1) Denn sie sagte: ,Ich werde mit meinen Liebhabern Unzucht treiben, denn jene sind es, die mir mein Brot gaben und mein Wasser und meine Kleider und meine Mäntel und meinen Wein und mein Öl und alle Dinge (5), die ich brauchte.` Deswegen, siehe, werde ich sie (sc. ihre Wege: LXX) verschließen, damit sie nicht in der Lage ist, ihren Ehebrechern nachzulaufen. Und wenn sie sie sucht und nicht findet, wird sie sagen: ,Ich will zu meinem ersten Ehemann zurückkehren, denn (10) in jenen Tagen ging es mir besser als jetzt.“`pastedGraphic_3.pdf

Und wiederum sagt er durch Ezechiel: ,,Es geschah nach vielen Schlechtigkeiten, spricht der Herr, daß du dir ein Bordell gebaut und dir einen schönen Platz (15) in den Straßen geschaffen hast. Und du hast dir Bordelle an jedem Weg gebaut und deine Schönheit vergeudet, und du hast deine Beine gespreizt auf jedem Weg und deine Unzucht vermehrt. Du hast mit den Söhnen Ägyptens Unzucht getrieben, (20) deinen Nachbarn, die großes Fleisch haben.“

Wer aber sind die ,,Söhne Ägyptens, die großes Fleisch haben“, wenn nicht die fleischlichen und die sinnlichen (Angelegenheiten) und die Angelegenheiten der Erde, mit denen sich die Seele hier besudelt hat, (25) als sie Brot von ihnen (an)nahm, als sie Wein (an)nahm, als sie Öl (an)nahm, als sie Kleidung (an)nahm und auch den äußerlichen Tand, der den Körper umgibt? Dies (sind alles) Dinge, von denen sie glaubt, daß sie ihr nützlich sein (könnten).

Von dieser Unzucht haben die Apostel des Erlösers verkündet: ,,(30) Hütet euch vor ihr, reinigt euch von ihr!“, wobei sie nicht nur von der Unzucht des Körpers, sondern vielmehr von der (Unzucht) der Seele sprechen. [Deswegen] [schreiben] die Apostel [an die Kirchen] Gottes, damit derartige [Dinge] (35) nicht geschehen [bei uns]. Aber die größte [Sorge] gilt der Unzucht ( 131.1) der Seele. Aus ihr entsteht auch die Unzucht des Körpers. Deshalb sagte Paulus, als er den Korinthern schrieb: ,,Ich habe euch in dem Brief geschrieben. Verkehrt nicht mit den Unzüchtigen, (5) auf keinen Fall mit den Unzüchtigen dieser Welt oder Habgierigen oder den Räubern oder den Götzendienern, denn sonst müßtet ihr aus der Welt gehen.“

So (aber) spricht er pneumatisch: ,,Unser Kampf (10) richtet sich nicht gegen Fleisch und Blut“, wie er gesagt hat, ,,sondern gegen die Weltherrscher dieser Finsternis und die Geister der Bosheit.“

Über die Umkehr der Seele

Solange die Seele hin–und herläuft, indem sie mit jedem Geschlechtsverkehr hat (15), den sie trifft, und sich selbst beschmutzt, gerät sie unter die Leiden der für sie angemessenen (Strafen). Aber wenn sie die Schmerzen wahrnimmt, in denen sie sich befindet, und zum Vater weint und umkehrt, dann wird der Vater mit ihr Erbarmen haben; er wird (20) ihren Mutterschoß (ab)wenden von denen der Außenseite und wieder nach innen wenden, so daß die Seele ihre Eigentlichkeit empfängt. Sie (sc.\ die Mutterschöße der Seele) gleichen nämlich nicht den Frauen. Denn die Mutterschöße des Körpers sind im Inneren des Körpers wie die Eingeweide. Der (25) Mutterschoß der Seele aber umgibt die Außenseite wie die männlichen Geschlechsteile, die außen sind.

Wenn sich der Mutterschoß der Seele nun nach dem Willen des Vaters nach innen wendet, wird er getauft und wird sogleich (30) von der äußeren Befleckung rein, die auf ihn gepreßt wurde, ganz wie die [schmutzigen Gewänder] gewöhnlich in das [Wasser] gelegt [und] (hin–und her)gewendet werden, bis ihr Schmutz herausgebracht ist und sie rein werden. Die Reinigung (35) der Seele aber (besteht darin), daß sie die [Neuheit] ( 132.1) ihrer ursprünglichen Natur empfängt und daß sie wieder zurückkehrt — das ist ihre Taufe.

Denn sie wird beginnen, auf sich selbst zornig zu werden. (Dies geschieht in der Art), wie die Gebärenden in dem Moment, in dem sie ein Kind zur Welt bringen, (5) sich gegen sich zu wenden pflegen im Zorn.

Über den Bräutigam

Aber da sie eine Frau ist, ist sie nicht in der Lage, allein ein Kind hervorzubringen. Der Vater sandte ihr aus dem Himmel ihren Mann, der ihr Bruder ist, den Erstgeborenen. Da kam der Bräutigam herab (10) zur Braut. Sie gab ihre frühere Unzucht auf, sie reinigte sich von den Befleckungen der Ehebrecher. Dann erneuerte sie sich aber, um eine Braut zu sein. Sie reinigte sich im Brautgemach. Sie füllte es mit Wohlgeruch. Sie saß drinnen (15) in Erwartung ihres wahren Bräutigams. Sie rannte nicht länger auf den Marktplatz, indem sie mit jedem, den sie will, Geschlechtsverkehr hatte, sondern sie fuhr fort, nach ihm Ausschau zu halten, (weil sie nicht wußte), an welchem Tage er kommen würde, und sie fürchtete ihn; denn sie wußte nicht mehr, wie er aussah. (20) Sie erinnerte sich nicht mehr (an ihn) seit der Zeit, als sie aus dem Haus ihres Vaters fiel. Doch nach dem Willen des Vaters träumte *…* sie von ihm wie eine Frau, die einen Mann liebt. Da nun kam der Bräutigam nach dem Willen des Vaters (25) zu ihr herab in das fertige Brautgemach. Und er schmückte das Brautgemach.

Über die Hochzeit der Seele mit ihrem Bräutigam

Denn jene Hochzeit ist nicht wie die fleischliche Hochzeit, bei der die, die im Begriff sind, miteinander Verkehr zu haben, Befriedigung zu erlangen pflegen (30) durch jenen Geschlechtsverkehr. Und Lasten vergleichbar lassen sie die Unruhe der Begierde hinter sich, und sie [wenden sich] voneinander [ab].

Aber diese (pneumatische) Hochzeit ist [nicht von dieser Art]. Vielmehr (gilt): Wenn sie sich miteinander vereinigen, (35) werden sie ein einziges Leben. ( 133.1) Deswegen sagte der Prophet über den ersten Mann und die erste Frau: ,,Sie werden ein einziges Fleisch werden.“ Denn sie waren im Anfang beim Vater miteinander vereinigt, (5) bevor die Frau den Mann verließ, der ihr Bruder ist. Diese (pneumatische) Hochzeit hat sie wieder miteinander verbunden. Und die Seele vereinigte sich mit dem, den sie wirklich liebt, ihrem naturgemäßen Herrn, wie es geschrieben steht: ,,Der (10) Herr der Frau ist nämlich ihr Ehemann.“pastedGraphic_11.pdf

Nach und nach erkannte sie ihn, und sie freute sich wieder, wobei sie vor ihm weinte, als sie der Schande ihrer früheren Witwenschaft gedachte. Und sie schmückte sich noch mehr, damit (15) er Gefallen daran finde, bei ihr zu bleiben. Und der Prophet sagt in den Psalmen: ,,Höre, meine Tochter, und sieh und neige dein Ohr und vergiß dein Volk und das Haus deines Vaters, denn der König hat deine Schönheit begehrt (20), denn er ist dein Herr.“ Er verlangt von ihr, daß sie ihr Antlitz von ihrem Volke und und der Menge ihrer Ehebrecher abwende, in deren Mitte sie früher war, und sich allein an ihren König halte, ihren wahren (25) Herrn; und daß sie das Haus ihres irdischen Vaters vergesse, bei dem es ihr schlecht erging, und sich an ihren Vater erinnere, der im Himmel ist. So wiederum wurde zu Abraham gesagt: ,,Komme heraus aus deinem (30) Land und deiner Verwandtschaft und dem Hause deines Vaters.“

Als sich die Seele so wieder [geschmückt hatte] in ihrer Schönheit […], traf sie ihren Geliebten. Und [auch er] liebte sie. Und (35) als sie sich mit ihm geschlechtlich vereinte, empfing sie ( 134.1) den Samen von ihm — ,,das ist der Geist, der lebendig macht“ –, damit sie durch ihn Kinder gebäre, die gut sind, und (damit) sie sie großziehe. Denn dies ist das große, vollkommene (5) Wunder der Geburt.

Und so vollzieht sich diese Hochzeit nach dem Willen des Vaters. Es ist aber angemessen, daß die Seele sich selbst (wieder) hervorbringt und wieder wird, wie sie früher war. Die Seele bewegt sich durch sich selbst. Und sie empfing (daraufhin) die göttliche Natur vom Vater (10) für ihre Erneuerung, damit man sie wieder an den Ort versetzen (kann), an dem sie von Anfang an war. Das ist die Auferstehung von den Toten. Das ist die Errettung aus Gefangenschaft. Das ist der Aufstieg zum Himmel. Das (15) ist der Weg hinauf zum Vater. Deswegen sagt der Prophet: ,,Meine Seele lobe den Herrn, und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen. Meine Seele lobe Gott, der vergeben hat (20) alle deine Ungesetzlichkeiten, der geheilt hat alle deine Krankheiten, der dein Leben aus dem Tod gerettet hat, der dich gekrönt hat mit Barmherzigkeit, der dein Verlangen mit guten Dingen gestillt hat. Deine Jugend wird (25) neu werden wie ein Adler.“

Über die Rettung der Seele

Wenn sie nun neu geworden ist, wird sie hinaufgehen, wobei sie den Vater und ihren Bruder, durch den sie gerettet wurde, preist. So wird die Seele durch die Wiedergeburt gerettet werden. Dies aber (30) vollzieht sich nicht durch asketische Worte, auch nicht durch Künste oder durch geschriebene Lehren. Vielmehr ist [es] die Gnade des […], vielmehr ist es das Geschenk des […]. Denn dies ist eine himmlische Sache. Deswegen (35) rief der Erlöser aus ( 135.1): ,,Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, mein Vater zieht ihn und bringt ihn zu mir; und ich selbst werde ihn auferwecken am jüngsten Tag.“

Ein Reuegebet

Darum ist es angemessen, zum Vater zu beten und (5) ihn anzurufen mit unserer ganzen Seele — nicht (nur) äußerlich mit den Lippen, sondern mit dem Geist, der im Inneren ist, der aus der Tiefe hervorkam:

Wir seufzen.
Wir bereuen das Leben, das wir gelebt haben.
Wir bekennen (10) unsere Sünden.
Wir erkennen den leeren Trug, in dem wir uns befanden, und den nichtigen Eifer.
Wir weinen über die Art, wie wir in der Finsternis und in der Welle waren.
Wir trauern über uns selbst, damit er sich unser erbarme.
Wir (15) hassen uns, wie wir jetzt sind

Über die wahre Reue

Wiederum sagte der Erlöser:,,Selig sind die, die trauern, denn sie sind es, die Erbarmen finden. Selig sind die, die hungrig sind, denn sie sind es, die gesättigt werden.“ Wiederum sagte er: ,,Wenn (20) jemand seine Seele nicht haßt, wird er mir nicht nachfolgen können.“ Denn der Anfang der Rettung ist die Umkehr. Deswegen ,,kam vor der Ankunft Christi Johannes, indem er die Taufe der Buße verkündigte.“ (25) Die Umkehr aber vollzieht sich in Kummer und Leid.

Der Vater aber ist gut und menschenfreundlich, und er erhört die Seele, die ihn ruft, und sendet ihr das rettende Licht. Deshalb (30) sagt er durch den Geist der Propheten: ,,Sage den Kindern meines Volkes: [Wenn eure] Sünden reichen [von der Erde zum] Himmel, und wenn sie [röter] als Scharlach und (35) schwärzer als ein [Sacktuch] sind, [und wenn] ( 136.1) ihr euch zu mir wendet mit eurer ganzen Seele und zu mir sagt: Mein Vater!, so werde ich euch erhören wie ein heiliges Volk.“

Wiederum (sagte er an) anderer Stelle: ,,So spricht (5) der Herr, der Heilige Israels: Wenn du bereust und seufzt, dann wirst du gerettet werden und erkennen, wo du warst, als du dein Vertrauen in das, was nichtig ist, gesetzt hast.“

Wiederum sagte er an anderer Stelle: ,,Jerusalem weinte (10) bitterlich, sagend: Hab Erbarmen mit mir! Er wird sich der Stimmme deines Weinens erbarmen. Und als er sah, erhörte er dich. Und der Herr wird euch Brot der Bedrängnis und Wasser der Schmerzen geben. Von jetzt an, die Irreführer werden sich dir nicht wieder nähern. (15) Deine Augen werden die sehen, die dich irreführen.“

Daher ist es angemessen, zu Gott in der Nacht und am Tage zu beten, indem wir die Hände zu ihm emporstrecken so wie die, die in der Mitte des (durch Wellen) schwankenden Meeres sind; sie pflegen zu Gott zu beten (20) mit ihrem ganzen Herzen ohne Heuchelei. Die nämlich, die heuchlerisch beten, betrügen sich selbst. ,,Denn Gott prüft die Nieren und erforscht das Herz“, den Grund des Herzens, (25) um den zu erkennen, der der Rettung würdig ist. Denn niemand ist der Rettung würdig, der noch den Ort des Irrtums liebt. Deswegen steht beim Dichter geschrieben: ,,Odysseus saß auf der Insel, er weinte und trauerte und (30) und wandte sein Angesicht ab von den Worten der Kalypso und von ihren Verführungen und sehnte sich danach, seine Stadt zu sehen (oder wenigstens) Rauch aus ihr emporsteigend. Und wenn er nicht [empfangen] hätte Hilfe vom Himmel, [wäre er nicht in der Lage gewesen], (35) in sein Dorf [zurückzukehren].“

Wiederum sagt [Helena]: ,,*…* [mein Geliebter] hat sich von mir abgewandt. ( 137.1) Ich will in mein Haus gehen.“

Denn sie seufzte und sagte: ,,Aphrodite ist es, die mich betrogen hat und mich aus meiner Stadt herausbrachte. Und ich habe meine erstgeborene Tochter verlassen und meinen (5) guten, weisen, schönen Ehemann.“

Denn wenn die Seele ihren vollkommenen Ehemann verläßt wegen des Betrugs der Aphrodite, der hier besteht in dem Akt des Hervorbringens, dann wird sie (sc. die Seele) Schaden erleiden. Aber wenn sie seufzt (10) und umkehrt, wird man sie in ihr Haus zurückbringen. Denn auch Israel wäre vormals nicht heimgesucht worden, um aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft, herausgebracht zu werden, wenn es nicht zu Gott geseufzt und geweint hätte unter der Last (15) seiner (Fron–)Arbeit. Wieder steht in den Psalmen geschrieben: ,,Ich war sehr müde geworden in meinem Kummer. Ich will mein Bett und meine Matte jede Nacht mit meinen Tränen waschen. Ich bin alt geworden unter allen meinen Feinden. Entfernt euch von mir, (20) alle, die ihr das Unrecht tut! Denn siehe, der Herr hat das Schreien meines Weinens gehört, und der Herr hat mein Gebet erhört.“

Abschlußformel

Wenn wir wahrhaftig bereuen, wird Gott uns erhören, der langmütig und von großer (25) Barmherzigkeit ist, er, dem Herrlichkeit bis in alle Ewigkeit gebürt. Amen.

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2 gedachten over “exegese van de ziel

  1. Als dit nieuw is hierboven wat ik zie, dan vind ik dat een hele goede ontwikkeling. Er steekt een soort anarchide vrijheid in, maar ook een enorme opgewektheid. Het landschap overgestoken naar haar essentie, en dat weer groter. Maar subtiel zijn dan wel weer die inkijkjes. (Ooit moeten er natuurlijk die grote doeken komen, die grote vellen, die huiskamers – in de trant van Kiefer en Richter.)

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